Am 25. März 2026 findet im Großen Hörsaal der Geographie (Raum 00/0020) die Jahreshauptversammlung für Mitglieder unseres Freundeskreises statt. Wie bei jeder Hauptversammlung werden die Themen Vorstandswahlen, aktueller Stand des Museums uvm. sein. Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen!
(Text: M. Koch)
Die Sonderausstellung „Minerale – Schätze der Erde zu Gast im Landgrafenschloss“ wurde verlängert! Die beeindruckende Präsentation des Mineralogischen Museums Marburg ist nun nicht mehr nur bis Juli 2026, sondern bis Februar 2027 zu sehen. Im Laufe des Jahres 2026 erwarten die Besuchenden zudem einige Neuerungen, sodass sich auch ein weiterer Besuch lohnt.
(Text und Fotos: V. Duda & M. Koch)
Eine Ausstellung im Freihandbereich der Universitätsbibliothek Marburg beleuchtet auf anschauliche Weise die Erlebnisse Walter Böhmes während seines Grönlandaufenthaltes im Jahr 1929, in dessen Verlauf er Alfred Wegener begegnete.
Frau Dr. Wolff eröffnet die Ausstellung (Foto: V. Duda)
Walter Böhme (1904–1969) studierte in Frankfurt unter anderem Geographie auf Lehramt. Bereits 1937 erhielt er eine Planstelle am Marburger Gymnasium Philippinum, an dem er, abgesehen von der Unterbrechung durch die Kriegsjahre, bis zu seinem Lebensende tätig war, zuletzt als stellvertretender Schulleiter.
Alfred Wegener (1880–1930), welcher auf Böhmes Grönlandreise eine bedeutende Rolle spielen sollte, erlangte internationale Bekanntheit als Geowissenschaftler, Polarforscher und Meteorologe. Berühmt wurde er insbesondere durch seine Überlegungen zur Kontinentalverschiebung, die später in der Theorie der Plattentektonik aufgingen. In der Marburger Region ist sein Name zudem eng mit den Untersuchungen zum Meteoritenfall von Treysa verbunden, dessen Fundstücke heute zu den Glanzstücken des Mineralogischen Museums Marburg zählen.
Da sich sowohl der Nachlass Walter Böhmes als auch der Alfred Wegeners in der Universitätsbibliothek Marburg befinden, bot dies den Anlass für die Konzeption der Ausstellung. Die Vernissage der bis Mitte März 2026 geplanten Ausstellung fand am 9. Dezember 2025 statt und wurde von der Leiterin der Universitätsbibliothek, Frau Dr. Andrea Wolff, eröffnet.
Prof. Pletsch hält den Eröffnungsvortrag (Foto: V. Duda)
Den Einführungsvortrag hielt anschließend Prof. Alfred Pletsch, der Walter Böhme noch persönlich kennengelernt hatte. Bereits im Oktober 2023 war es auf seine Vermittlung hin dazu gekommen, dass der Nachlass Walter Böhmes von dessen Schwiegertochter, Frau Barbara Scholl-Böhme, der Universitätsbibliothek Marburg als Schenkung überlassen wurde. Aus diesem Anlass entstand die Idee zu einer kleinen Ausstellung im Freihandbereich der Bibliothek.
Walter Böhme hatte im Jahr 1929, noch als Student und gerade einmal 25 Jahre alt, die Gelegenheit erhalten, die Frankfurter Ethnologin und Forscherin Fräulein Aenne Schmücker (gebürtig Maria Anna Paula Schmücker) als „Kofferträger“ nach Grönland zu begleiten. Sie plante dort die Anfertigung eines Forschungsfilms. Vermutlich wurde Böhme von der Universität Frankfurt als Unterstützung für dieses Vorhaben entsandt. Wenige Tage nach Beginn der Reise kam es jedoch zu einem folgenschweren Zwischenfall: Fräulein Schmücker erlitt einen unglücklichen Sturz und musste in einem örtlichen Krankenhaus behandelt werden. Infolge dieses Missgeschicks lernte Böhme zufällig Alfred Wegener und dessen Expeditionsgruppe kennen, zu der Fritz Loewe, Ernst Sorge und Johannes Georgi gehörten. Wegener nahm den jungen Studenten spontan als Helfer in seine Grönlandexpedition auf.
Alfred Wegener (links) und Walter Böhme (rechts) (Foto: V. Duda)
Im Verlauf der Expedition war Böhme unter anderem an der Rettung zweier von Wegeners Gefährten aus dem Eis beteiligt. Seine Unterstützung fand sowohl in seinen eigenen Reisetagebüchern als auch in denen Alfred Wegeners Niederschrift. Der nun aufgefundene Nachlass ermöglicht es erstmals, auch fast ein Jahrhundert später eindeutig zu klären, um welche Person es sich bei dem in Wegeners Aufzeichnungen erwähnten „Böhme“ handelt.
Alfred Wegener verstarb tragischerweise bereits ein Jahr später, 1930, während einer weiteren Expedition in Grönland. Aus den Tagebüchern von Böhme und Wegener gestaltete Prof. Pletsch, unterstützt durch Bilddokumente und wörtliche Zitate beider Männer, einen ebenso spannenden wie anschaulichen Vortrag. Die Zeit verging wie im Flug, nicht zuletzt aufgrund seiner lebendigen Vortragsweise und der eindrucksvollen visuellen Begleitung.
Zur im Anschluss eröffneten Ausstellung steuerte das Mineralogische Museum Marburg zudem mehrere grönländische Gesteine bei:
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
| Glimmerschiefer, zum Teil mit großen Granat-Mineralen, und Pegmatite, wie sie Walter Böhme auf seiner Reise begegnet sein könnten. Zum Teil stammen die ausgestellten Stücke in dieser Vitrine tatsächlich aus Grönland (Foto: M. Koch) | Gneise, wie Walter Böhme sie in Grönland gesehen haben könnte (Foto: M. Koch) | Basalte der Disko-Insel und Sabine Ø, z.T. gesammelt während der 2. Deutschen Nordpolar-Expedition 1869/70 (Foto: M. Koch) | Kryolith aus Ivetuut (Foto: M. Koch) |
Die Ausstellung in den Kuben des Freihandbereichs der Universitätsbibliothek kann noch bis März 2026 bestaunt werden. Neben dem Mineralogischen Museum haben, u.a., auch der Botanische Garten und die zoologische Sammlung der Uni Marburg Stücke beigetragen.
(Text: V. Duda & M. Koch)
In Kooperation mit dem DFG-Graduiertenkolleg 2844 („Inszenierung religiöser Atmosphäre in antiken Kulturen“) des Centrums für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps-Universität Marburg wurde am 23. Oktober 2025 eine Sonderschau in der Ausstellung „MINERALE“ im Marburger Landgrafenschloss eröffnet.
Ausstellungseröffnung Steine in Mesopotamien im Landgrafenschloss (Foto: M. Koch)
Das Thema der Ausstellung lautet: „Steine im alten Mesopotamien: Bedeutung – Klassifikation – Anwendung“.
Edelsteine – oder das, was man in verschiedenen Zeiten unter diesem Begriff verstand – haben in allen Kulturen eine besondere Bedeutung besessen, und sie haben sie bis heute. Ob die zwölf Minerale, die im Judentum den Stämmen Israels zugeordnet werden, oder die neunzehn im Christentum in der Bibel erwähnten Minerale: Immer werden sie in einen besonderen religiösen Kontext gestellt. Dabei gehören manche dieser Stoffe aus heutiger Sicht nicht einmal mehr zu den Edelsteinen, und selbst die Übertragung der hebräischen Namen ist in mehreren Fällen unsicher. Ein Beispiel für frühere Begriffsverwirrungen ist der mittelalterliche ‚Karfunkelstein‘, der je nach Quelle Granat, Spinell oder Rubin bezeichnen konnte. Solche feurig wirkenden Steine wurden ohne mineralogisches Wissen allein nach Farbe oder Glanz eingeordnet und mit besonderen Kräften verbunden.
Die Vorstellung, dass Steine unser Wohlbefinden beeinflussen können, hat sich bis heute gehalten. Auch im alten Mesopotamien spielten Minerale und Gesteine eine besondere Rolle, wie die Sonderschau eindrucksvoll zeigt. Sie dienten als Amulettketten zum Schutz vor Dämonen und anderen Gefahren, fanden Verwendung in (Heil-) Tränken, wurden als Schutzbringer in Häuserfundamente eingelassen oder im königlichen Schmuck verarbeitet – und begleiteten zahlreiche rituelle Handlungen. Historische Tontafeln wie das Steinkompendium abnu šikinšu überliefern sogar detaillierte ‚Rezepte‘, die Gelehrte für kultische Zwecke nutzten.
Neben der Verwendung der Minerale widmet sich die Ausstellung auch ihrer damaligen Systematik. Sie fragt, nach welchen Kriterien Gelehrte die Steine einordneten und wie diese Ordnung sich von modernen Klassifikationen wie der Strunz-Systematik unterscheidet.
Verbindung von Glaube und Mineralen (Foto: M. Koch)
Moderne Rekonstruktion einer Amulettkette (Foto: M. Koch)
Die Sonderschau ‚Steine im alten Mesopotamien‘ beleuchtet zudem mögliche Handelswege. Die Herkunft vieler verwendeter Minerale ist bis heute nicht eindeutig geklärt: Es existieren typische Fundorte sowie einige überlieferte Quellen, doch sind sie nicht in allen Fällen gesichert. Eine Karte macht sichtbar, wie vielfältig die bekannten Fundorte sind und über welche Routen die Materialien in das alte Mesopotamien gelangten.
Zu den Exponaten gehören Reproduktionen antiker Kultgegenstände, etwa Amulettketten nach historischen Vorbildern, sowie eine neu erstellte Tontafel. Ein interaktiver Multitouch-Tisch lädt die Besuchenden ein, vertiefende Informationen zu entdecken und einer deutschen wie auch akkadischen Lesung der neunten Tafel des Gilgamesch-Epos, dem sogenannten ‚Edelsteingarten‘, per Kopfhörer zu lauschen.
Zu der sehenswerten Sonderausstellung gab es bei der Vernissage ein lesenswertes Begleitheft, das die Bedeutung der gezeigten Exponate weiter vertiefte. Da es nur in geringer Anzahl zur Verfügung stand, arbeiten wir an Möglichkeiten eines Nachdrucks oder digitalen Bereitstellung. Die kleine Ausstellung ist noch bis Ende Juli 2026 im Waldecker Saal zu sehen!
Mesopotamien-Ecke im Waldecker Saal (Foto: M. Koch)