Freundeskreis des Mineralogischen Museums Marburg e.V.

2013






Börsenbericht von den Münchner Mineralientagen 2013

Volker F. Duda

Der Sommer war ins Land gegangen und der Oktober neigte sich bereits seinem Ende zu. Da kreisten bei den Eingeweihten die Gedanken um ein zentrales Thema, die Münchner Mineralientage, neudeutsch jetzt auch bekannt unter dem Namen „The Munich Show“. Was würde einem dieses Jahr wohl präsentiert? Wenig spektakuläre Neufunde und eine zum Teil geradezu provisorisch wirkende Sonderausstellung hatten 2012 etwas enttäuscht. Die Erwartungen waren aber heuer dennoch groß, handelte es sich dieses Jahr doch um die fünfzigste Veranstaltung, also eine goldnes Jubiläum.

Am 23. Oktober startete Professor Masberg in Begleitung einiger Mitglieder des Freundeskreises des Marburger Mineralogischen Museums in Richtung München durch. An diesem Tag trübte der Regen noch etwas die Sicht, aber nicht die Stimmung, auch wenn man sich daran erinnerte, dass es auf der Rückfahrt 2012 sogar geschneit hatte. Bayerisches Bier und der obligatorische Schweinsbraten nach der Ankunft halfen aber über die Regentropfen hinweg und man glaubt es kaum, am nächsten Morgen war der Spuk vorbei und es schien doch tatsächlich die Sonne.

Peter Masberg (links) und Hartmut Meyer (rechts) im Anmarsch auf die Messehallen

Foto: Volker Duda

Kaum war diese aufgegangen, was man an der Länge der Schatten erahnen kann, da war unser Museumsleiter mit seinen Getreuen schon in Richtung Neue Messe München unterwegs.

Peter Masberg (links) und Hartmut Meyer (rechts) im Anmarsch auf die Messehallen

Während einige Stände an diesem Tag noch gar nicht oder gerade erst im Aufbau begriffen waren, herrschte an anderen schon geschäftiges Treiben zu den an diesem Aufbautag üblichen 50% Rabatt Konditionen. Und dann, vom Eingang aus gesehen am Ende der Mineralienhalle die Sensation: riesige zitronengelbe Calcitkristalle aus China!

Für die meisten der üblicherweise gut informierten Kenner der Branche war dieser Fund bislang unbekannt; nur einer gab vor, davon schon gewusst zu haben!?… Für den Marburger Trupp war ganz klar, die schönste der dort präsentierten Stufen musste her für unser Museum. Schnell herrschte Einigkeit darüber, welche der Stufen es sein sollte und schon hatte sie den Besitzer gewechselt.

Calcitstufen von einem Neufund aus China auf zugegebenermaßen etwas kitschig wirkenden Sockeln.

Calcitstufen

Calcitstufen Foto: Volker Duda

amorpher Goldklumpen

amorpher Goldklumpen Foto: Volker Duda

Von der an diesem Tag noch hermetisch abgeschirmten Sonderausstellung „Gold“ war noch kein Blick zu erhaschen und selbst die Lieferanten hatten Probleme, dort hineinzukommen. Es gab aber genug andere Sehenswürdigkeiten zu bestaunen und schnell war der erste Tag vorbei.

Am Freitag, den 25. Oktober 2013, wurde die Veranstaltung dann offiziell für die Fachbesucher eröffnet. Die ausgerollten Teppiche machten die langen Wege in den Hallen deutlich fußfreundlicher. An allen Ständen erstrahlten die Mineralien prachtvoll im Licht und auch die Sonderausstellung „Gold“ war nun frei zugänglich. Hatte man am Vortag noch über „och, nur ein einziges Mineral und das auch nur in einer Farbe“ geunkt, so erstarrten die meisten jetzt ob dieses Anblicks doch in Ehrfurcht. Da waren eben keine winzigen Goldflitter wie man sie z. B. aus der heimischen Eder kennt, sondern ordentlich große Goldklumpen zu beobachten. Daneben begeisterten nicht minder fein dendritisch verästelte und blechartige Goldstufen. Ein geradezu mystisch anmutendes „Naturwunder“, weil eben nicht von Menschenhand, sondern von Goldschmied „Mutter Natur“ geschaffen, war der 18 cm hohe „Goldene Drache“ aus der Colorado Quartz Gold Mine (Kalifornien, USA).

8 cm großes Nugget aus New South Wales, Australien

8 cm großes Nugget aus New South Wales, Australien Foto: Volker Duda

dendritisches bzw. farnartiges Gold aus Devon, Großbritannien

dendritisches bzw. farnartiges Gold aus Devon, Großbritannien Foto: Volker Duda

Goldblechstufe

Goldblechstufe
Foto: Volker Duda

„Der Goldene Drache”

„Der Goldene Drache“ hat es sogar auf das Titelbild des Themenbuches „Gold“ (The Munich Show – Mineralientage München) geschafft (Wachholtz Verlag, Neumünster / Hamburg, 2013, ISBN: 978-3-529-05444-0)

So begeisterungswürdig die Sonderausstellung „Gold“ auch immer war, in der „Fossil World“ sollten goldig angepinselte Dinofossilrepliken als Eyecatcher herhalten und das Gomphotherium von Gweng, ein 1971 von Sportanglern an einem Steilufer des Inn entdecktes, komplett erhaltenes Urelefantenskelett, durfte nach 1978, also genau 25 Jahre später noch einmal die Münchner Mineralientage besuchen. Die Informationstafeln zu den in dieser Sonderausstellung gezeigten Fossilien waren für normalsichtige Besucher nicht zu entziffern, da sie viel zu klein gedruckt waren und zu weit weg standen.

Ernüchternder Kitsch, wenn man vorher in der Sonderausstellung Gold in der Mineral World war.

Ernüchternder Kitsch, wenn man vorher in der Sonderausstellung Gold in der Mineral World war.
Foto: Volker Duda

Das Gomphotherium von Gweng

Das Gomphotherium von Gweng
Foto: Volker Duda

Erfreulicherweise war aber in dieser Halle wie gewohnt der Alpin-Bereich angesiedelt, so dass man schnell für diese bedauerlichen Eindrücke mehr als entschädigt wurde. Exemplarisch sei hier der Stand der Gebrüder Hofer erwähnt, wo unter anderem beachtlich große Platten mit unzähligen Rauchquarzen auf heller Matrix, begeisterungswürdige flaschengrüne Sphene und quasi als Klassiker herrliche Epidotstufen aus der Knappenwand im Obersulzbachtal den Betrachter in ihren Bann zogen.

Rauchquarze auf heller Matrix, eine Augenweide!

flaschengrün gläserne Sphene

(Abb. links) Rauchquarze auf heller Matrix, eine Augenweide!

(Abb. rechts) flaschengrün gläserne Sphene

Fotos: Volker Duda

An diesem zweiten Tag wurden aber neben der verständlichen Begeisterung für so manch ein Ausstellungsstück wiederum die Augen offen gehalten auf der Suche nach potenziellen Neuerwerbungen für unser Museum. Und, um bei diesem Bild zu bleiben, die Suche wurde belohnt in Form einer Augenfluoritstufe aus Namibia. Im durchscheinenden Licht erkennt man hier mehrere gläserne Würfel, die jeweils von einer schwarzen Kugel umgeben in einem grünen Oktaeder zu schweben scheinen.

Als am Samstag die Mineralientage München dann für alle Interessierten geöffnet hatten, befanden wir uns schon wieder reich beladen mit den erworbenen Stücken und vielen positiven Eindrücken auf der Heimfahrt nach Marburg mit dem festen Vorsatz, nächstes Jahr fahren wir wieder hin!

Epidotkristalle vergesellschaftet mit Byssolith (Berghaar)

Epidotkristalle vergesellschaftet mit Byssolith
(Berghaar) Foto: Volker Duda

Fahrt des Freundeskreises des Marburger Mineralogischen Museums e.V.

vom 31.08. bis 01.09.2013 in den Thüringer Wald

Bei der Suche nach einem lohnenden Ziel für die Herbstexkursion 2013 erinnerte unser Ehrenvorsitzender Reinhard Balzer an eine 17 Jahre zurück liegende Eintagesfahrt nach Thüringen, die ihm noch sehr gut in Erinnerung geblieben war. Seinerzeit hatte der Rechtsanwalt Ulrich Brunzel aus Suhl zunächst ins Thüringer Tal zur Halde der Grube Arminius in Atterode bei Bad Liebenstein und danach ins Naturhistorische Museum im Schloss Bertholdsburg in Schleusingen geführt. Auf dem Haldengelände ist mittlerweile wie an so vielen Fundstellen durch übertriebene Grabungstätigkeit das unerlaubte Sammeln unter hohe Strafen gestellt worden. Die Frage war nun, ob Herr Brunzel als ausgesprochener Kenner dieser mineralogisch sehr interessanten Region noch einmal für eine Tour zu anderen Fundstellen zur Verfügung stehen würde.

Unser Vorstandsmitglied Udo Becker brauchte nicht lange, um einen erneuten Kontakt mit Herrn Brunzel herzustellen. Und dieser wiederum musste nicht lange überredet werden, sondern zeigte sich spontan bereit, uns abermals in seiner Region zu empfangen und zu neuen Aufschlüssen zu führen. Schnell war ein Termin gefunden. Allerdings wollten wir uns dieses Mal ein wenig mehr Zeit nehmen und planten daher eine Zweitagestour. In der Folgezeit arbeitete Udo Becker in Absprache mit Herrn Brunzel ein Programm aus und organisierte alles erforderliche wie Fahrt, Unterkunft und Verköstigung, um die Fahrt zu einem Erfolg werden zu lassen.

Am Morgen des 31.08.2013 war es dann so weit und der Bus konnte mit 15 Erwachsenen und 3 Kindern pünktlich um 8 Uhr früh vom Georg Gassmann Stadion aus in Richtung Thüringen durchstarten. Nach einer landschaftlich eindrucksvollen Fahrt quer durch die Rhön und den Thüringer Wald war die Bertholdsburg in Schleusingen dieses Mal unser erstes Ziel. Herr Brunzel war zwischenzeitlich vor Ort zu uns gestoßen. Unterstützt durch seine wertvollen Tipps erlaubte es uns die im Museum vorhandene umfangreiche Mineraliensammlung des Thüringer Waldes, eine gezielte Witterung für die zu erwartenden Funde aufzunehmen. Dermaßen vorbereitet ging es auf nach Elgersburg, benannt nach der gleichnamigen auf einem Porphyrfelsen 1088 von Gerhard Edler von Grumbach genannt „Elger“ erbauten Burg. Nach kurzem Einchecken im „Hotel am Wald“ waren wir dann alle in freudiger Erwartung auf den ersten Fundort, das nicht weit vom Hotel entfernt liegende Altröderfeld. Vor lauter Begeisterung eilten wir zunächst erst einmal an den entsprechenden Halden vorbei.

Aufbruch zum Altröderfeld

Aufbruch zum Altröderfeld Foto: Volker Duda

kurzfristige Orientierungsprobleme

kurzfristige Orientierungsprobleme
Foto: Udo Becker

Mit der Hilfe des geschulten Geländeblickes unseres Museumsleiters Peter Masberg haben wir dann aber den ob dieses kleinen Missgeschickes schon etwas aufgeregten Herrn Brunzel wieder beruhigen können und sind doch noch ans Ziel gekommen. Wunderschöne metallisch silbrig glänzende Pyrolusitstufen als markante Überbleibsel des dort getätigten Manganerzabbaus ließen schnell die – nennen wir sie mal – Anlaufschwierigkeiten vergessen. Wir hatten ausgiebig Zeit zum Sammeln und auch das Wetter blieb uns gnädig, so dass wir nach einigen Stunden voll bepackt wieder zurück ins Hotel gekommen sind, wo der Abend bei leckerem Essen, Köstritzer Schwarzbier vom Fass und anderen Getränken gesellig ausklang. In der Nacht hatte es dann zwar geregnet, aber am Morgen empfingen uns die Sonne und leckere frisch gebackene Brötchen am reichhaltigen Frühstücksbuffet. Trotz der kulinarischen Verlockungen verlief das Frühstück recht zügig und geordnet, so dass wir pünktlich zu einer wiederum aussichtsreichen Fahrt in Richtung Friedrichroda aufbrechen konnten.

Abb. links: Pyrolusit: rosettenförmig (6 x 4,5 x 4 cm),
Abb. rechts: Pyrolusit: nadelig (7 x 6 x 3 cm)
(Sammlung und Fotos Volker Duda)

Pyrolusit: rosettenförmig (6 x 4,5 x 4 cm)

Pyrolusit: nadelig (7 x 6 x 3 cm)

An der Marienglashöhle angekommen, wurden wir zunächst mit einem Stromausfall konfrontiert, der aber schnell behoben war, und ab ging es nach unter Tage. Nach dreijährigem Vortrieb eines Erkundungsstollens auf der Suche nach einem Erzlager war man 1778 dort auf ein Gipsvorkommen gestoßen, das man auch schon von über Tage aus gekannt hatte. Der Abbau des Gipses hatte bereits im Jahre 1784 zur Entdeckung eines Hohlraumes geführt, in dem sich durchsichtige Kristalle ausgebildet hatten, das sogenannte Marienglas. Die Bezeichnung stammt von der Verwendung dieser Kristalle für kirchliche Zwecke. Während das Marienglas bis 1848 abgebaut wurde, dauerte der Gipsabbau selbst bis 1903. Hauptsächlich wurde dieser Gips dabei für Stuckateurarbeiten verwendet. Mit Beendigung der Abbautätigkeiten erlebte die Marienglashöhle ihre erste 40-jährige Phase als Schaubergwerk bereits zwischen 1903 und 1943. Nachdem dann zwischenzeitlich der Betrieb eingestellt und das Bergwerk „abgesoffen“ war, wurde erst im Jahre 1968 die Marienglashöhle wieder aufgewältigt und für Besucher geöffnet. Im Bergwerk hatten wir diesmal im Vergleich zu anderen Führungen ausreichend Zeit zum Staunen und Fotografieren, was ausdrücklich erlaubt war. Ich hatte vor Jahren diese Höhle schon einmal besucht und sie und die Führung ganz anders in Erinnerung. Aber, manche Dinge verbessern sich doch tatsächlich – man soll eben die Hoffnung nicht aufgeben.

Ulrich Brunzel und Udo Becker (von links) vor der Marienglashöhle

Ulrich Brunzel und Udo Becker (von links)
vor der Marienglashöhle Foto: Volker Duda

Marienglaskristalle

Marienglaskristalle
Foto: Volker Duda

Marienglaskristalle

Marienglaskristalle
Foto: Volker Duda

Kalksinter überziehen das Marienglas

Kalksinter überziehen das Marienglas
Foto: Volker Duda

Marienbild mit Rahmen aus Marienglas, das die Farbe des Bronzereliefs angenommen hat.

Foto: Volker Duda

Nach der Besichtigung der Höhle bzw. des Gipsbergwerkes frönten wir wieder der Fleischeslust direkt vor Ort im Waldgasthaus „Sankt Marien“ und sind dermaßen gestärkt voller Tatendrang auf den oberhalb der Höhle gelegenen Tannenkopf geklettert, um dort nach Überresten des seit 1538 urkundlich belegten Eisenerzbergbaus im Gebiet von Friedrichroda zu suchen. Auch hier verhalf uns der mit seinen 75 Jahren noch sehr rüstige Herr Brunzel wieder zum Erfolg. Ohne entsprechende Hinweise erkennt man zwar solche Haldengelände durch ihre Landschaftsform, aber wenn man nicht weiß, wonach man suchen soll…

Abb. links: Marienbild mit Rahmen aus Marienglas, das die Farbe des Bronzereliefs angenommen hat.

Auch an diesem Fundpunkt hatten wir wieder reichlich Gelegenheit, unserem Hobby nachzugehen, so dass am Ende nicht Zeitdruck den Anlass zum Aufbruch gab, sondern mehr das erfüllte Gefühl, ausgiebig nach Eisenerzen, Baryt, Calcit, Quarz etc. gesucht zu haben. Ungeplant, aber im völligen Einvernehmen der Exkursionsteilnehmer gönnten wir uns danach alle noch eine Kaffeepause vor Ort, besprachen dabei die einen oder anderen Funde und bedankten uns nochmals ganz herzlich bei Herrn Brunzel, der durch sein Engagement sicher ganz wesentlich zum Erfolg dieser tollen Exkursion beigetragen hatte. Nach gut zwei Stunden reibungsloser Fahrt hatten wir dann wieder heimischen Boden unter den Füßen und alle Teilnehmer waren voll des Lobes über diese gelungene Exkursion, auch die drei Kinder, die mitgefahren waren. Selbst Lenas, der mit drei Jahren jüngste Teilnehmer, trug stolz seinen Rucksack und sein Hämmerchen, das er tatkräftig zum Einsatz gebracht hatte.

Exkursionsteilnehmer erkunden die Haldenschüttungen am Tannenkopf

Die Exkursionsteilnehmer erkunden die
Haldenschüttungen am Tannenkopf oberhalb
der Marienglashöhle Foto: Volker Duda

Hämatit vom Tannenkopf, Friedrichroda (5,5 x 4 x 2,5 cm)

Hämatit vom Tannenkopf
Friedrichroda (5,5 x 4 x 2,5 cm)
(Sammlung und Foto: Volker Duda)

stengelige Barytkristalle gefunden von Ulrich Brunzel am 01.09.2013

stengelige Barytkristalle
gefunden von Ulrich Brunzel am 01.09.2013
(Sammlung und Foto: Udo Becker)

stengelige Barytkristalle gefunden von Ulrich Brunzel am 01.09.2013

Detailaufnahme: stengelige Barytkristalle
gefunden von Ulrich Brunzel am 01.09.2013
(Sammlung und Foto: Udo Becker)

Kontakte:
Naturhistorisches Museum
Schloss Bertholdsburg
Burgstraße 6
98553 Schleusingen
Tel.: 03684/15310

Hotel am Wald
Schmücker Str. 20
98716 Elgersburg
Tel.: 03677/79800

Marienglashöhle
99894 Friedrichroda
Tel.: 03623/311667

Waldgasthaus „Sankt Marien“
an der Marienglashöhle
99894 Friedrichroda
Tel.: 03623/304853

Weiterführende Literatur zum Thema bzw. zu Herrn U. Brunzel:

Vollstädt Heiner, Schmidt Ralf, Weiss Stefan: Mineralfundstellen Thüringen und Vogtland
Christian Weise Verlag, München 1991. ISBN: 978-3-921656-20-4

Brunzel Ulrich: Mythos Gold – Spurensuche in Thüringen.
Rhino Verlag, Ilmenau 2012. ISBN: 978-3-939399-92-6

Mineralogisches Museum

erhält Privatsammlung als Stiftung

Die Ingrid und Reinhard Balzer Stiftung hat dem Marburger Mineralogischen Museum eine bedeutende Sammlung von Mineralien aus Arizona übergeben. Das Marburger Mineralogische Museum gehört zu den größten und schönsten Museen dieser Art in Deutschland. Es verdankt seine einzigartigen Bestände seiner Gründung als „Hessisches Mineralienkabinett“ im Jahre 1790 und war damit die erste mineralogische Sammlung in Hessen. In neuerer Zeit hat das Museum seine Sammlungen wesentlich durch die Stiftung des Ehepaars Ingrid und Reinhard Balzer bereichert. Über viele Jahre hat das Ehepaar Balzer bedeutende Sammlungen aus Brasilien, Uruguay und Russland aufgebaut und hat sie über eine Stiftung an das Museum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Stifter Ingrid und Reinhard Balzer vor den Vitrinen der neuen Sammlung.
Im Hintergrund Prof. Peter Masberg, Leiter des Museums

Die Stifter Ingrid und Reinhard Balzer vor den Vitrinen der neuen Sammlung.

Foto: HM Photo & Graphic

Malachit und Azurit Morenci Mine, Greenlee Co. Arizona, USA

Malachit und Azurit Stufe
Foto: HM Photo & Graphic

Jetzt hat die Familie Balzer eine weitere Sammlung in die Stiftung eingebracht. Es handelt sich um 80 Mineralstufen aus Arizona, dem 48. Bundesstaat der USA. „Arizona“, so Prof. Peter Masberg der Leiter des Museums, „ist außerordentlich reich an Mineralien und Erzen“. Dies liegt an der speziellen Geologie: Von Nordwesten bis Südosten zieht sich der „Kupfergürtel“ durch das Land, aus dessen berühmten Minen wie Morenei Mine und Ray Mine wunderschöne Azurite, Malachite und Cuprite stammen. Im Süden Arizonas, der Basin und Range Provinz liegt die „Königin“ der Kupferlagerstätten: Bisbee. Hier kommen nahezu 500 verschiedene Mineralarten vor. In den letzten hundert Jahren wurden dort neben 4 Millionen Tonnen Kupfer und hunderttausenden Tonnen Zink, Blei und Mangan auch 2,8 Millionen Unzen Gold und 3700 Tonnen Silber gefördert. „Sozusagen als Nebenprodukt“ so Masberg, „wurden Mineralstufen geborgen, von denen wir heute in unserem Museum besonders schöne und seltene Stücke sehen können.

Neben den Formen sind die Arizona Mineralien vor allem durch ihre Vielfalt an kräftigen Farben wie blau, grün, gelb und rot gekennzeichnet. Neben den vielen anderen Exponaten lohnt sich der Besuch unseres Museums allein schon wegen dieser neuen Attraktion“.

Die Sammlung ist ab sofort zu sehen.

Mineralogisches Museum der
Philipps-Universität Marburg
Deutschhausstr.10 (am Firmaneiplatz)
35032 Marburg

Öffnungszeiten:
Mittwoch von 10-13 und 15-18 Uhr, Donnerstag und Freitag von 10-13 Uhr, Samstag und Sonntag von 11-15 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 2.- €, Jugendliche von 10 bis 16 Jahren, Schüler, Studenten und Behinderte: 1,- Euro.
Frei für Kinder bis 10 Jahre

Wulfenitstufe, Red Cloud Mine

Wulfenitstufe, Red Cloud Mine
Foto: HM Photo & Graphic

Exkursion

des Freundeskreises des Marburger Mineralogischen Museums e.V. am 5. Mai 2013 nach Battenberg-Frohnhausen

Bei strahlendem Sonnenschein brachen am 5. Mai 2013 vierzehn Mitglieder des Freundeskreises zu ihrer ersten Exkursion dieses Jahres auf. Unter sachkundiger Leitung des Vorstandsmitgliedes Frank Röbert wurden über 100 Jahre alte Relikte bergbaulicher Tätigkeit im Gebiet Battenberg-Frohnhausen erkundet.

Nach einer Einführung in die Geologie und Bergbauaktivitäten vor Ort wurde zunächst ein Mutungsstollen am Kohlenberg besucht, der ansonsten durch ein Eingangsgitter verschlossen nicht zugänglich ist. In der „Vermutung“ bzw. Hoffnung, hier auf Manganerzlager zu stoßen, war dieser Stollen seinerzeit über 100 Meter weit in den Berg getrieben worden. Dabei bezieht sich der Name Kohlenberg nicht wie man meinen könnte auf Kohle, wenngleich die hier anstehenden Gesteinsschichten tatsächlich aus dem Karbon stammen. Er erhielt vielmehr aufgrund von Köhlertätigkeiten und der damit verbundenen Abholzung zunächst den Namen Kahlenberg.

Gruppenfoto am Kohlenberg

Gruppenfoto am Kohlenberg
Foto: Udo Becker

und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezündt

Stollen Kohlenberg
Foto: Udo Becker

Doch zurück zum Stollen. Nachdem Mundloch und Gitter überwunden waren, erhellten die mitgeführten Taschenlampen ein wenig den dunklen Stollen. Die aufgesetzten Schutzhelme verhinderten, daß man sich den Kopf stieß, während man bemüht war, die am Stollenboden durchgängig vorhandenen Pfützen zu durchqueren. Die hier unter Tage herrschende Feuchtigkeit hielt aber wie zur Belohnung ganz am Ende des Stollens eine sehenswerte Überraschung parat. Dort hatten sich auf den letzten 1-2 Metern an Decke und Wänden überwiegend flächige Sinterüberzüge gebildet, wie man sie von Tropfsteinhöhlen her kennt. Aber damit nicht genug – in der letzten der erwähnten Pfützen waren die dort liegenden Steinchen allseits überzuckert von unzähligen kleinen Calcitkristallen.

Auf dem Rückweg fielen dann noch kleine Pilze auf, denen Feuchtigkeit und tierische Hinterlassenschaften trotz völliger Dunkelheit als Lebensgrundlage genügten – die Natur, ob mineralogisch oder lebendig erobert sich die vom Menschen geschaffenen Freiräume zurück!

Nach dieser spannenden Einsicht unter Tage ging es weiter um den Kohlenberg herum zu einem hügeligen Haldengelände, das von einem ehemaligen Roteisensteinabbau Zeugnis ablegte. Hier konnten einige farblich recht ansehnliche und erzbedingt „gewichtige“ Belegstücke aufgesammelt werden.

Die Bewegung und Arbeit an frischer Luft machte Hunger und Durst, so daß nach der Rückkehr vom Kohlenberg an der Forsthütte am gegenüber liegenden Ziegenberg zunächst eine Pause eingelegt wurde. Im mitgeführten Versorgungswagen bzw. –anhänger war alles parat und schnell hatte unser „Schatz- und Grillmeister“ Klaus Anhäuser die ersten Steaks und Würstchen fertig.

Dermaßen erholt und gestärkt war es dann Zeit zu einem Verdauungsspaziergang. Also machte sich die Gruppe auf zum Grubengelände „Hinterer Horst“ am Ziegenberg. Im Gegensatz zum Stollen am Kohlenberg, in dem damals keine abbauwürdigen Bodenschätze gefunden werden konnten, waren hier seinerzeit tatsächlich Manganerze abgebaut worden. Diese hatten sich durch eine unterseeische Vulkantätigkeit zwischen die Sedimentlagen gepreßt. Von den drei noch zu erkennenden Stollen zwängten sich die Exkursionsteilnehmer durch das Mundloch des einzigen noch auf längere Stecke zu begehenden mittleren Stollens. Diesmal trockenen Fußes waren im Licht der Taschenlampen gut die Spuren des hier betriebenen Firstabbaues zu erkennen. Das bedeutet, daß die Bergleute den erzhöffigen Schichten an der Decke des Stollens nach oben gefolgt waren. Dadurch erhielt der Stollen eine zum Teil sehr beachtliche Höhe. Auf dem Stollenboden ließen sich einige Belegstücke aufsammeln, die nach entsprechender Reinigung noch Erzspuren erkennen ließen. Ähnlich wie bei überfrorenen Fensterscheiben hatte sich das flüssige Erz auf den Sedimentflächen niedergeschlagen. Eine Nistmulde mitten im Stollen verriet den Teilnehmern abermals, daß sich auch hier nach dem Auszug des Menschen ein „Nachmieter“ gefunden hatte. Er war allerdings nicht zu Hause, so daß die Eindringlinge sich wieder Richtung Tageslicht aufmachten.

Stollenmundloch im Hinteren Horst

Stollenmundloch im Hinteren Horst
Foto: Udo Becker

Isabella Becker und Volker Duda beleuchten den Firstabbau

Isabella Becker und Volker Duda
beleuchten den Firstabbau
Foto: Udo Becker

Von der wärmenden Sonne empfangen, war allen klar geworden, welche körperlichen Anstrengungen die Bergleute vergangener Jahre auf sich genommen hatten, um der Erde ihre Schätze abzutrotzen. Mit diesen Eindrücken und so manch einem Belegstück beladen klang dann am Nachmittag die Exkursion in geselliger Runde aus.

Literatur:

  • Schaeffer R (1980) Vulkanogen-sedimentäre Manganerzlager im Unterkarbon bei Laisa. Geol Jb Hessen 108; 151-170
  • Weber D, Röbert F, Morgenroth W (2006) Vergessene Spuren – 250 Jahre Bergbaugeschichte des Grubenfeldes Laisa bei Battenberg (Eder). Heimat- und Kulturverein Battenberg e.V. (Hrsg.)