Freundeskreis des Mineralogischen Museums Marburg e.V.

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Eisenerzbergbau im Lahn-Dill Gebiet und im Siegerland

Vortrags- und Exkursionsbericht vom historischen Eisenerzbergbau im Einzugsgebiet von Lahn und Sieg (Text: Volker Duda)

Als Einführung in die Materie hielt Herr Rolf Georg vom Förderverein der Grube Fortuna in Solms/Oberbiel am 18. Mai 2022 im Großen Hörsaal der Geographie einen Vortrag zum Thema „Der historische Erzbergbau des Lahn-Dill-Gebiets“. Das Lahn-Dill-Gebiet war noch bis ins 20. Jahrhundert ein wichtiges Zentrum des Erzbergbaus in Deutschland. Dutzende Gruben speziell des Eisenerzbergbaus waren mit Beginn des industriellen Zeitalters in Betrieb und haben den Wohlstand der ursprünglich armen Region begründet. Auch wenn im März 1983 als letztes Bergwerk in der Region die Grube Fortuna den kommerziellen Abbau eingestellt hat, profitiert die Region auch heute immer noch von der vorwiegend mittelständischen Metallindustrie. Rolf Georg führte uns mit einer bemerkenswerten Sammlung historischer Photographien durch diesen Abschnitt der Industriegeschichte. Der pensionierte Lehrer verstand es dabei gekonnt, anhand dieser Bilder uns die Zusammenhänge der technischen Entwicklungen im Bergbau und die Schicksale der Menschen, aber auch z.B. der Grubenpferde lebendig nahe zu bringen. Es war einfach ein Genuss, ihm zuzuhören.

Für Interessierte sei erwähnt, dass das von Rolf Georg zusammen mit Rainer Haus und Karsten Porezag herausgegebene Buch „Eisenerzbergbau in Hessen – Historische Fotodokumente mit Erläuterungen 1870-1983“ (ISBN 3-925 619-00-3, Wetzlar 1985) mit etwas Glück noch antiquarisch zu erhalten ist.

(Foto: Volker Duda)

(Foto: Volker Duda)

(ca. 10 x 6 cm große Eisenerzstufe aus der Grube Fortuna; Sammlung & Foto: Volker Duda)

(ca. 10 x 6 cm große Eisenerzstufe aus der Grube Fortuna; Sammlung & Foto: Volker Duda)

Dermaßen in die Thematik eingeführt fanden sich 14 Personen am 12. Juni 2022 bei bestem Wetter auf dem Großsportfeld ein für eine 1-Tages-Exkursion ins Siegerland.

Zunächst ging es mit dem Busunternehmen Lauer zum Besucherbergwerk Grube Bindweide nach Steinebach bei Gebhardshain im Kreis Altenkirchen.

www.bindweide.de

(der Bus vor dem Geoinformationszentrum in der Bindweider Straße in Steinebach; Foto: Volker Duda)

(der Bus vor dem Geoinformationszentrum in der Bindweider Straße in Steinebach; Foto: Volker Duda)

Mit der Grubenbahn fuhren wir etwa 800 Meter weit auf der als Besucherbergwerk eingerichteten 1. Sohle in die Grube Bindweide ein. Ausgerüstet mit „Friesennerzen“ und Schutzhelmen waren wir gerüstet für die 10° Celsius im Bergwerk und das ständig von der Decke tropfende Wasser, aber auch gegen „anstößiges“ Gestein an der Decke der gelegentlich etwas niedrigen Stollenabschnitte.

(es kann losgehen „Glück auf!“; Foto: Udo Becker)

(es kann losgehen „Glück auf!“; Foto: Udo Becker)

(unser Führer und der Bindweide-Express; Foto: Volker Duda)

(unser Führer und der Bindweide-Express; Foto: Volker Duda)

(unter den Tropfsteingebilden an der Wand fließt das Wasser kaskadenartig ab; Foto: Volker Duda)

(unter den Tropfsteingebilden an der Wand fließt das Wasser kaskadenartig ab, so dass man hier auch von einem Wasser-Lösungsstollen sprechen könnte; Foto: Volker Duda)

(der breiartige Eisenschlamm; Foto: Volker Duda)

(der breiartige Eisenschlamm umschließt hier bereits an der Stollenwand verlegte Kabel und Rohre; Foto: Volker Duda)

Das Wasser im Berg verlieh den Stollenwänden zum Teil das Aussehen einer Tropfsteinhöhle. Allerdings bestanden die Tropfsteingebilde nicht aus Kalk, sondern aus weichem durch Eisen braun und durch Mangan schwarz gefärbtem Material.

„Glückauf, Glückauf der Steiger kommt und er hat sein helles Licht bei der Nacht schon angezünd’t; das wirft sein‘ Schein und damit so fahren wir bei der Nacht ins Bergwerk ein.“ Im soeben zitierten Steigerlied wird gesungen vom „hellen Licht“ und seinem „Schein“. Allerdings war es unter Tage vor der Verfügbarkeit von elektrischem Licht sicher weniger romantisch, sondern eher düster.

(Grubenlampensammlung an der Decke des Geoinformationszentrums; Foto: Volker Duda)

(Grubenlampensammlung an der Decke des Geoinformationszentrums; Foto: Volker Duda)

Was sich durch eine entsprechende Beleuchtung unter Tage allerdings auch entwickeln kann, zeigte sich an Stellen, wo es nicht unbedingt zu erwarten war.

(kein grünes Kupfererz, sondern Pflanzenbewuchs; Foto: Volker Duda)

(kein grünes Kupfererz, sondern Pflanzenbewuchs; Foto: Volker Duda)

Nachdem uns die Sonner wieder über Tage empfangen und aufgewärmt hatte und wir den Wissensdurst zunächst einmal gestillt hatten, konnten wir dann auch den ganz profanen Durst samt Hunger in Grünebach stillen.

Am Nachmittag ging es dann weiter in das Bergbaumuseum Sassenroth bei Herdorf. (www.kreis-altenkirchen.de/BERGBAUMUSEUM)

(Foto: Volker Duda)

(Foto: Volker Duda)

Dort war unter einem nicht mehr als Schule genutztem Gebäude eine Erzgrube naturgetreu nachgebaut worden. Hier konnten wir die vormittags gewonnenen Eindrücke noch einmal vertiefen und ergänzen. Dabei waren wir alle gespannt auf die dort ausgestellten Mineralstufen unter denen die weltbekannten Rhodochrosite aus der Grube Wolf bei Herdorf natürlich nicht fehlen durften.

(Foto: Volker Duda)

(Foto: Volker Duda)

Auch wenn wir uns in Sassenroth mit Mund-Nasen-Schutz bedecken mussten, war das nichts gegen die Information, dass die Bergleute in alten Zeiten noch für ihre persönliche Ausrüstung und Geleucht, aber auch Sprengmittel und Zündschnüre selber aufkommen mussten, was vielen von uns unbekannt war.

Die Exkursion rundete den anfangs genannten Vortrag von Herrn Rolf Georg thematisch gekonnt ab, wofür alle Teilnehmer am Ende der Fahrt unserem Organisator Udo Becker großes Lob zollten.

Demonstration am Museumstag 15.05.2022

Demonstration am Museumstag 15.05.2022

Internationaler Museumstag

Während Marburg in diesem Jahr sich selbst und sein 800jähriges Bestehen feiert, hatte der Freundeskreis des Marburger Mineralogischen Museums am 15. Mai 2022 aus Anlass des internationalen Museumstages keinen Grund zum Feiern. Stattdessen sammelten sich spontan Vorstands-Mitglieder des Vereins vor dem nach wie vor geschlossenen Museum, um dort die Passanten auf die Tatsache aufmerksam zu machen, dass die „Universitätsstadt Marburg“ sich anscheinend überhaupt nicht zuständig fühlt, um die Wiedereröffnung des Mineralogischen Museums zu unterstützen, was Sache der Universität sei.

Bunte Steine

Vom 31. Januar bis 10. April 2022 war das Mineralogische Museum mit dem Ausstellungstitel Bunte Steine an einer Aktion der Universitätsbibliothek beteiligt. Dafür wurden von Dr. Sebastian Müller gut 100 besonders schöne und farbenfrohe Mineralstufen aus der insgesamt über 60.000 Stücke umfassenden mineralogischen Sammlung ausgewählt. In einer Schaufensterausstellung in 14 an mehreren Stellen im Freihandbereich der UB verteilten Glaskuben wurde ein kleiner Einblick in diese faszinierende farbliche Bandbreite des Mineralreichs gegeben, die vom leuchtendsten Rot über das schrillste Grün bis hin zum tiefsten Violett alle erdenklichen Töne des Farbspektrums abdeckte.

Mehr Informationen auch zu dieser Ausstellung finden Sie auf der Internet-Seite des Mineralogischen Museums.

https://www.uni-marburg.de/de/fb19/minmus/ausstellung/aktuelle-sonderausstellung

Foto: A. Weisbrod

Foto: A. Weisbrod