Freundeskreis des Mineralogischen Museums Marburg e.V.

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Die Erforschung der Bleßberghöhle

Am 12. April 2019 entführte uns der Geologe und Vorsitzende des Thüringer Höhlenvereins e.V. Jens Leomhardt mit seinem Vortrag in die äußerst beeindruckende Welt einer für die Allgemeinheit nicht zugänglichen Tropfsteinhöhle.

Zunächst wurde aber erst einmal betont, dass eine Höhle erst dann als eine solche bezeichnet werden darf, wenn sie natürlich entstanden, über 5 m lang und von einem Menschen befahrbar ist.

Die erstaunliche Entdeckung der nach dem in der Nähe des Ortes Sonneberg gelegenen 865 m hohen Bleßberg benannte Höhle begann allerdings über einen Tunnel, also ein nicht natürlich entstandenes „unterirdisches röhrenförmiges Bauwerk, besonders als Verkehrsweg durch einen Berg“ (Duden).

Im Dezember 2006 starteten im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8 die Arbeiten am Bau eines zweigleisigen ICE Tunnels als Schnellfahrstrecke zwischen Erfurt und Nürnberg. Dieser Tunnel war bereits 1999 im Rahmen der Verkehrsverbindung zwischen Berlin und München geplant worden und sollte hauptsächlich das Thüringer Schiefergebirge auf über 8 km Länge durchqueren. Am Südende passierte der Tunnel allerdings noch die sogenannte Fränkische Linie, die das ältere Gestein des Schiefergebirges von jüngeren Muschelkalkschichten trennt.



Jens Leonhardt – links – wird vom Vorsitzenden des Freundeskreises des Marburger Mineralogischen Museums Volker Duda begrüßt

Jens Leonhardt – links – wird vom Vorsitzenden des Freundeskreises des Marburger Mineralogischen Museums Volker Duda begrüßt (Foto: Udo Becker)

auf dem geologischen Schnitt ist die Fränkische Linie gut zu erkennen

auf dem geologischen Schnitt ist die Fränkische Linie gut zu erkennen, die das Thüringer Schiefergebirge (braun) von den Muschelkalkschichten (blau) trennt (Foto: Udo Becker)

Da beim bergmännischen Tunnelbau damit gerechnet werden musste, dass Unebenheiten am Tunnelboden auftreten, war dafür gesorgt worden, im Bedarfsfall Schnellbeton zur Verfügung zu stellen, um diese auszugleichen. Über ein Jahr lang ging die Arbeit ohne größere Störungen voran, bis am 30. März 2008 kurz vor Erreichen des südlichen Tunnelendes ein größeres Loch im Boden bemerkt wurde. Nachdem es rund 500 m³ Beton verschlungen hatte, realisierten die Arbeiter, dass sie hier eine Tropfsteinhöhle angeschnitten hatten und verständigten am 3. April 2008 Thüringer Höhlenforscher.

Diese erkundeten in der quer zur Bahnstrecke verlaufenden Höhle einen kürzeren und wohl auch älteren Ostteil und einen wesentlich längeren und verzweigten Westteil. Die Höhle erwies sich als 2 bis 5 m breit und bis zu 20 m hoch. Bis heute wurde sie auf eine Länge von etwa 1200 m erkundet.

Dem Ostteil wurden nach seiner Erkundung einige Tropfsteine entnommen, die z.T. im Naturhistorischen Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen zu sehen sind. Danach wurde dieser Höhlenteil Ende 2008 definitiv verschlossen.

Impressionen aus der Bleßberghöhle

Impressionen aus der Bleßberghöhle (Foto: Thüringer Höhlenverein)

Impressionen aus der Bleßberghöhle

Impressionen aus der Bleßberghöhle (Foto: Thüringer Höhlenverein)

Impressionen aus der Bleßberghöhle

Impressionen aus der Bleßberghöhle (Foto: Thüringer Höhlenverein)

Der Westteil dagegen wurde in der Anfangszeit nicht nur von Höhlenforschern, sondern auch von Laien befahren. Für diese hatte man eine Reihe von Holzstegen angebracht, zumal die zunächst eingebrachten Betonmengen zwar das Loch nicht hatten verschließen können, aber zu einem Aufstau des Höhlenbaches und zur Flutung einiger Höhlenteile geführt hatten. Ende Januar 2009 wurde dann auch der Westteil vom Tunnelzugang her verschlossen, um die Bauarbeiten der Deutschen Bahn nicht weiter zu beeinträchtigen. 2013/2014 war der Tunnelrohbau fertig, 2015 die Schienen eingebaut und 2017 erfolgte die Inbetriebnahme.

Es dauerte eine Weile, bis der Thüringer Höhlenverein e.V. ein Wiesengrundstück erwerben konnte, von dem aus im Frühjahr 2012 das Ende des Westteils der Höhle durch eine Bohrung wieder einer Befahrung zu ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken zugänglich gemacht werden konnte. Dieser seinerzeit als „Goldener Westen“ bezeichnete Höhlenteil hielt allerdings eine böse Überraschung parat. Wechselnde Wasserstände in der Höhle hatten dazu geführt, dass die beim Verschluss der Höhle nicht entfernten Holz-Einbauten sich in der Zwischenzeit aus ihren Befestigungen gelöst und in der Höhle einen nicht wieder gut zu machende Schaden angerichtet hatten. So hatten umhertreibende Bretter z.B. die mit über 4 m rekordverdächtig langen Makkaroni Stalaktiten serienweise abgeschlagen. Den Höhlenforschern blieb nichts Anderes übrig, als diese Bretter zunächst zu verschnüren und an ungefährlichen Stellen zu lagern, um weitere Schäden zu vermeiden. Eine Entfernung aus der Höhle über den neuen Zugang war über dessen dafür zu geringen Durchmesser nicht möglich. Eine Zerkleinerung des Holzes in der Höhle verbot sich ebenfalls, um nicht auch noch dadurch das Ökosystem der Höhle weiter negativ zu beeinträchtigen. Schließlich hatte die Bleßberghöhle eine endlose Zeit ohne den Menschen schadlos überstanden. So ist es nur zu gut zu verstehen, dass sie nicht der Öffentlichkeit zugängig gemacht werden soll, zumal die Gegend andere Tropfsteinhöhlen aufweist, die besichtigt werden können.

Impressionen aus der Bleßberghöhle

Impressionen aus der Bleßberghöhle (Foto: Thüringer Höhlenverein)

Weitere Informationen:
www.thueringer-hoehlenverein.de (Homepage – Projekte Bleßberghöhle)
Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt. Die Tunnel Aus- und Neubaustrecke Nürnberg–Berlin. Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 Nürnberg–Berlin. Herausgeber: DB Netz AG, Großprojekt VDE 8, Projektabschnitt NBS Ebensfeld–Erfurt; Stand Juni 2016
Die Bleßberghöhle. clip Film- und Fernsehproduktion, Suhl. Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Forsten, Umwelt und Naturschutz. 2013 (über YouTube abrufbar)